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Die Husumer Logenmeister und ihr Wirken - Freimaurer Husum

 

Die Husumer Logenmeister und ihr Wirken

 

1. Logenmeister (1906–1912)
Br. August Claußen wurde 23.12.1841 in Norddeich bei Wesselburen geboren und bereiste als Seminarleiter den gesamten norddeutschen Raum. Am 8.4.1880 wurde er in die Loge „Carl zur Treue“ in Schleswig aufgenommen und gehörte einige Monate später zu den Gründungsmitgliedern der Loge „Leuchte am Strande“ in Eckernförde. Später wurde er Leiter der Freimaurervereinigung „Carl zur guten Hoffnung“, die von der ehemals in Husum ansässigen dänischen Loge ausging. Nach verworfener Planung einer in Friedrichstadt ansässigen gemeinsamen Loge von Brüdern aus Dithmarschen und Nordfriesland fungierte er im Jahre 1906 schließlich als Mitgründer der Loge „Zur Bruderliebe an der Nordsee“ in Husum, zu deren Meister er gewählt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits 26 Jahre Mitglied im Freimaurerorden. 1907 leitete er, nachdem die anfänglichen Pläne für ein eigenes Haus in der Parkstraße verworfen waren, den Bau des Logenhauses in der Osterhusumerstraße 1 in Husum. Betrug die Mitgliederzahl bei der Gründung im Jahre 1906 noch 25 Brüder, konnte diese Husumer Loge 1912 bereits 74 Mitglieder aufweisen. Br. Claußen war Ehrenmitglied der Logen in Marne und Blankenese. Er starb am 11.12.1912 in Friedrichstadt.

 

2. Logenmeister (1912–1927 und 1931–1933)
Br. Prof. Dr. Wilhelm Peter Adolf Clausen, geb. am 4.09.1867, war in Husum als Gymnasialoberlehrer tätig. Nach seiner Aufnahme in die Loge „Zur Bruderliebe an der Nordsee“ am 14.03.1909, leitete er von 1912 an – auch durch schwere Kriegszeiten hindurch – 15 Jahre lang die Loge. In dieser Zeit gelang es ihm, die Mitgliederzahl nahezu zu verdoppeln.

 

3. Logenmeister (1927–1931)
Br. Hans Lesch, geboren am 20.10.1882, war Rektor der Mädchen-Bürgerschule in Husum. Am 10.11.1918 erfolgte seine Aufnahme in die Loge „Zur Bruderliebe an der Nordsee“. Durch die angespannte politische Lage in Deutschland und durch die Vorträge General Ludendorffs und dessen Frau sah sich die Freimaurerei einer anhaltenden antimasonischen Propaganda in der Bevölkerung ausgesetzt. Als Logenmeister hat sich Br. Hans Lesch in vielen öffentlichen Auftritten aktiv darum bemüht, die Logen gegen diese Vorwürfe zu verteidigen. Allein vom 2. bis zum 29.01.1929 hat er auf 8 nationalsozialistischen Versammlungen gesprochen, um die Argumente seiner politischen Gegner zu entkräften. Die Mitgliederzahl betrug zu diesem Zeitpunkt 145 Brüder. Nach dem 2. Weltkrieg fungierte er noch einmal als Logenmeister in Heide.

 

4. Logenmeister (1933)
Br. Dr. Lorenz Conrad Peters, geboren am 11.1.1885 auf der Insel Föhr, war Studienrat am städtischen Lyzeum (Theodor-Storm-Schule Husum) und in der Volksgruppe der Friesen engagiert. Seine Aufnahme in den Orden der Freimaurer erfolgte am 17.11.1920 mit Eintritt in die Loge „Zur Bruderliebe an der Nordsee“. Er wurde nach der zweiten Amtszeit seines Vorgängers Br. Clausen zum Logenmeister gewählt und am 1.4.1933 in sein Amt eingesetzt. Zahlreiche Briefe an die Große Landesloge in Berlin bekunden politische Angriffe gegen seine Person und wachsende Schulden der Loge wegen des Austritts einiger Mitglieder, die als Freimaurer unter geschäftlichen Boykotten zu leiden hatten. Schikanen gegen beamtete Freimaurer und Versetzungsdrohungen standen auf der Tagesordnung.

Nach Aufmärschen der SA vor seinem Haus und aufgrund der akuten Gefährdung seiner Familie wurde er von der Stadt in „Schutzhaft“ genommen.

Die offizielle Logenschließung erfolgte am 26.4.1933 auf Beschluss der Vollversammlung. Es folgte die Liquidierung des Logenhauses und des gesamten Inventars, welches noch heute den Inventarlisten im Geheimen Staatsarchiv Preussischer Kulturbesitz in Berlin zu entnehmen ist.

Aufgrund des Leerstands des Logenhauses wurde von der SA und Hitlerjugend an die NSDAP die Anfrage auf mietfreie Nutzung des Logengebäudes als Schulungszentrum gestellt und das Haus auch von den nationalsozialistischen Organisationen genutzt. Später sind dann polnische Kriegsgefangene einquartiert worden.

Br. Dr. Lorenz Conrad Peters war ab 1945 / 1946 in die Wiedererrichtung der Loge, die zunächst mit der Gründung eines Vereins ehemaliger Freimaurer in Husum begann, eingebunden und wohnte zu dieser Zeit neben dem Logenhaus im Mönkeweg Nr. 6. Er verstarb dann schon 1949.

 

5. Logenmeister (1948–1951)
Logenmeister der Loge in Husum nach dem zweiten Weltkrieg Br. Dr. Friedrich Schiebries, wurde am 4.4.1892 in Königsberg geboren. Er besuchte die Schule und studierte in Königsberg. Später gehörte er auch der Loge „Zu den drei Kronen“ in seiner Heimatstadt an. Von 1919 bis 1928 war als Studienrat an der Bessel-Schule tätig. 1928 bis 1933 war er Studiendirektor in Gerdauen. Wegen seiner Logenzugehörigkeit wurde er strafversetzt und war Studienrat am Gymnasium in Osterode von 1933 bis 1945.

Ab 1946 wurde Dr. Schiebries Oberstudiendirektor und Schulleiter der alten Theodor-Storm-Schule in Husum. Auf dringende amtsärztliche Anordnung musste er wegen einer ernsten Erkrankung seine belastenden Nebentätigkeiten und damit auch sein Logenmeisteramt niederlegen. Ab 1957 verbrachte er seinen Ruhestand in Bad Homburg.

Unter seiner Leitung wurde das verwahrloste und durch einen Fliegerbombentreffer in der Nähe beschädigte Logenhaus 1947 zurück erworben. Von den dazu benötigten 25.000 RM kamen allein vom abgeordneten bzw. stellvertretenden Logenmeister, dem Kaufmann Br. Wilhelm Henkens, 20.000 RM. Weitere Spenden aus der Husumer Kaufmannschaft ermöglichten den Rückkauf des Logenhauses. Weil nicht nur das Geld für den Kauf, sondern auch für Instandsetzung des völlig verwahrlosten und jeglicher Einrichtungsgegenstände beraubten Gebäudes viel Geld benötigt wurde, war die finanzielle Lage nicht rosig.

Erst am 12. Juli 1948 konnte die „Bruderliebe an der Nordsee“ neu errichtet werden.

Wie die Geschichte zeigen sollte, geschah der Rückkauf des Hauses leider zu früh, da so alle Wiedergutmachungsansprüche verfielen. Br. Dr. Schiebries belebte das Logenleben – alten Ressentiments aus der Zeit des Nationalsozialismus zum Trotz – wieder mit viel Elan. Durch Beschluss der Mitgliederversammlung vom 4. Dezember 1951 gab sich der Verein ehemaliger Freimaurer in Husum dann wieder den alten Namen Johannisloge „Zur Bruderliebe an der Nordsee“.

 

6. Logenmeister (1951–1960)
Br. Karl Simon war als Wegebaumeister Regierungsbauinspektor in Husum. Er war bereits am 21. Mai 1921 in der Hamburger Loge „Phönix zur Wahrheit“ aufgenommen worden, wohnte nach dem Kriege in Husum in der Lornsenstraße 32 und war zunächst Sekretär der Loge gewesen. Das ganze Umfeld war noch sehr stark von den Nachwirkungen der nationalsozialistischen Propaganda geprägt. Bei einer Mitgliederzahl von nur etwa 35 Brüdern und einer knappen Finanzlage war das Logenhaus schwer zu halten. Stark unterstützt wurde er in dieser schwierigen Zeit zunächst von seinem 1. Aufseher Wilhelm Lerch und seinem 2. Aufseher Max Böttcher, die beide schon vor der „dunklen Zeit“ Mitglieder in der Husumer Loge gewesen waren.

 

 

7. Logenmeister (1960–1962)
Br. Alfred Müller war Pastor in Welt auf Eiderstedt. Über Br. Müller sind uns keine Informationen und Daten mehr überliefert.

 

 

8. Logenmeister (1962–1965)
Br. Bruno Petersen war Optikermeister in Husum, wohnhaft in Schobüll. Er übernahm ein marodes Logenhaus und setzte sich die Erhaltung jener Loge, der bereits sein Vater angehört hatte, zum Ziel. Da größere Baumaßnahmen vonnöten waren, wollte er nach drei Jahren vorbildlicher Logenleitung mit der Übergabe des Amtes an seinen Nachfolger den Weg frei machen für den Fortbestand und eine Zukunft der Freimaurerloge in Husum.

 

 

9. Logenmeister (1965–1980)
Br. Hans-Jochem Feddersen markierte als ein nach dem Zweiten Weltkrieg aufgenommener Bruder einen Neubeginn in der Logenarbeit und den Auftritt einer jüngeren Generation von Logenbrüdern. Als in Husum ansässiger freischaffender Architekt setzte er sich nachhaltig für die Erhaltung und Renovierung des Logenhauses ein. Anlässlich der 200-Jahrfeier der Loge, die sich als Nachfolgeinstitution der im Jahre 1775 ersten dänischen Loge in Husum mit Namen „Carl zur guten Hoffnung“ verstand, verteilte er das Bijou der damals zweitältesten Loge des Landes Schleswig-Holsteins, welches noch heute das Abzeichen der Husumer Loge ist, an alle Mitglieder.

 

 

10. Logenmeister (1980–1986)
Br. Rudolf Sommer, Rechtsanwalt und Notar in Husum, übernahm von einem sehr engagierten Vorgänger ein nicht ganz einfaches Amt und machte sich dennoch durch zahlreiche Aufnahmen aus allen Schichten der Gesellschaft um den inneren Aufbau der Loge verdient. Durch sein aktives Engagement gelang es ihm – frei von allen politischen Emotionen –, neue junge Brüder für den Orden zu gewinnen.

 

 

11. Logenmeister (1986–1991
Br. Dr. Ulf von Hielmcrone, Rechtsanwalt und Notar in Husum, Bürgervorsteher und Landtagsabgeordneter. Er ist heute noch Mitglied des Ehrenrates der Vereinigten Großlogen der Freimaurer von Deutschland. In seine Zeit fielen die Renovierung bzw. Erneuerung der Innenräume des Logenhauses (Club- und Damenzimmer), der Freitreppe und des großen Rundbogenfensters sowie der Beginn einer Zusammenarbeit mit der Partnerloge in Horsens (DK). Er führte, indem er erfolgreiche Öffentlichkeitsveranstaltungen mit prominenten Rednern wie z. B. Prof. Grab aus Tel Aviv für außenstehende Gäste organisierte, eine Tradition aus Br. Feddersens Amtszeit fort.

 

 

12. Logenmeister (1991–2000)
Br. Werner Carstensen, Rechtsanwalt und Notar in Husum. Er war während seiner Amtszeit auch Abgeordneter Meister der Andreasloge „Constantia“ in Flensburg und ist noch zur Zeit des 100. Stiftungsfestes abgeordneter Provinzialmeister der Provinzialloge Schleswig-Holstein. Bruder Werner Carstensen war ein sehr engagierter Logenmeister. In seiner Amtszeit wurden weite Teile des Logenhauses renoviert, so die Souterrainwohnung, die Küche und das Dach. Während seiner Amtszeit wurden 16 neue Mitglieder aufgenommen sowie zwei Brüder von anderen Logen angenommen.

 

 

13. Logenmeister (2000–2002)
Br. Hauke Clausen ist Anlage- und Finanzberater in Husum. Als engagierter Logenmeister und langjähriger Sekretär hat er intensiv daran gearbeitet, Informationsmaterial für an der Freimaurerei Interessierte zu sammeln. Eine Broschüre wurde gedruckt und ist noch heute ein wichtiger Teil bei Gesprächen in der Öffentlichkeit. Auch im Internet hat er mit einer Homepage die Husumer Loge bekannt gemacht.

 

 

14. Logenmeister (2002–2011)
Br. Horst Bauer, Dipl.-Sozialpädagoge, hat als relativ junger Amtsträger bereits besondere Leitungskompetenzen aufgewiesen und es vermocht, die Loge auch für junge Menschen attraktiv zu gestalten. Zu den besonderen Aktivitäten in seiner Amtszeit gehörten für ihn Öffentlichkeitsveranstaltungen, wie z. B. die Beteiligung an der Kulturnacht in Husum, bei der die Loge jedes Jahr wieder gut besucht wird. Auch nach Beendigung seiner Zeit als Logenmeister zeigt Br. Horst Bauer sein ausgesprochen großes Engagement für die Freimaurerei. Er übernimmt weiterhin Ämter in der Husumer Loge sowie bis 2016 auch im Ordenskapitel „Desiderata“ und in der Provinzialloge von Schleswig- Holstein, in welcher er Abgeordneter Provinzialmeister war.

 

 

15. Logenmeister (2011–2017)
Br. Hauke Thiesen, Dipl. Ingenieur wurde von den Brüdern 2010 als Nachfolger von Br. Horst Bauer zum Logenmeister gewählt. In den 6 Jahren seiner erfolgreichen Hammerführung konnte er die Zahl der Mitglieder, die schon bei seinem Vorgänger auf 59 Brüder angewachsen war, weiter steigern. Im Juli 2016 gehören der Husumer Loge 63 Mitglieder an. Sein großes Organisationstalent konnte Br. Hauke Thiesen im dritten Jahr seiner Hammerführung unter Beweis stellen als unter seiner Leitung das 11. Europäische Freimaurertreffen mit 250 internationalen Gästen in Husum durch die Husumer Loge veranstaltet wurde. Wie bei seinen Vorgängern wurden auch wieder Renovierungsarbeiten am Logenhaus durchgeführt. Herauszuheben ist die Sanierung des Festsaals. Br. Hauke Thiesen hat mit Ablauf seiner zweiten Amtszeit nach 6 Jahren das Amt des Logenmeisters weitergegeben.

 

 

16. Logenmeister (seit 2017)
Br. Klaus Lüking, Dipl. Ingenieur aus Husum.